In allem, was wir lernen, und so auch im Social Dance, gibt es irgendwann ein Lernplateau – ein Zeitfenster, in dem wir keine Fortschritte mehr machen. Oder zumindest, wir glauben es wäre so. 😉 Ist dir das im Tanzen passiert? Also, mir passiert so etwas nur dauernd und in verschiedenen Tänzen. Es ist normal, und es ist auch ok. Es gehört zum Lernprozess dazu. Allerdings sollte es kein Dauerzustand werden. In diesem Artikel werde ich dir einige Tipps zu geben, die dir helfen könnten, diese Stagnationsphase zu überwinden.
Manch einer wird sich vielleicht denken: „Stagnieren? Stagnation wäre noch gut! Ich habe das Gefühl, ich werde sogar schlechter! Manchmal habe ich das Gefühl, ich kann gar nichts mehr…“ Das kann ich gut nachvollziehen. Wirklich!
Übrigens, zu diesem Thema wurde ich durch einen lieben Tänzer von uns inspiriert, der mir letzte Woche „gebeichtet“ hat, er hätte das Gefühl, es geht nichts mehr. Seine Frau und er harmonieren auf einmal schlechter beim Tanzen, und überall eckt es irgendwie. Nichts mehr geht rund…
Früher ist mir so etwas immer wieder passiert, aber dann habe ich meine Einstellung verändert und somit wurde alles viel besser…
Bitte komm´ mir jetzt nicht mit dem Sager: „Ach du… du kannst ja schon so gut tanzen, was kann dich schon beim Tanzen frustrieren?“ Und warum kann ich so gut tanzen? Unter anderem, weil ich diese Frustrationsphasen, von denen ich genug hatte, „überlebt“ und überstanden habe (frag Conny). Diese Phasen haben übrigens auch die Besten der Besten. Sie sind aber deswegen die Besten, weil sie etwas dagegen unternommen haben.
By the way, dieses Plateau spürt man noch mehr, je schneller man am Anfang Fortschritte gemacht hat. Es betrifft die Talentierten genauso wie die weniger Talentierten. Eine Frage – wenn man ehrgeizig lernt, weil man super motiviert ist, ist man was in erster Linie? Komm schon…
Na?
In Ungeduld mit uns selbst und unserem Partner liegt auch der grösste Grund der Frustration – Wir geben uns manchmal nicht genug Zeit, den Lernstoff zu verarbeiten, zu üben und ihn zu „inhalieren“, sondern lernen den neuen Stoff im Schnelldurchlauf in der Hoffnung, wir würden schneller zum Ziel kommen.
Was ist denn das Ziel? Den Tanz zu meistern? Jemanden zu beeindrucken? Etwas zu beweisen? Der Beste zu sein?
Ich habe nur eine Frage zu all diesen Fragen: wer soll das alles messen? Und wie?
Es wird immer Sachen geben, die wir noch nicht können, es wird immer jemanden geben, der es besser kann.
Was ist also wirklich das Ziel?
Ist nicht der Weg das Ziel? Mit anderen Worten – ist nicht die Art des Lernprozesses wichtig? Die Art, wie wir zum Ziel kommen? Wollen wir nicht tief in unserem Kern einfach eine schöne Zeit beim Tanzen haben? Das könnte in jedem Fall ein tolles Ziel sein. 😉
Brian B., ein West Coast Swing Instruktor, sagt: Es gibt in diesem Fall zwei Welten – eine, die man kontrollieren kann und eben die andere, wo man keine Kontrolle über die Geschehnisse hat.
Die Frustration im Social Dance passiert oft, weil man nicht einsieht, wie weit man schon gekommen ist!
Wie kann man das messen? Oft hilf ein Video oder auch ein Feedback vom Instruktor oder dem Tanzpartner bzw. der Tanzpartnerin? Egal wie, es ist wichtig, irgendwie den Unterschied von davor und danach zu ermitteln.
Um Spaß und Abwechslung beim Tanzen zu haben, braucht man nicht mehr als 4-5 Elemente/Figuren. Um den Ehrgeiz zu befriedigen sind 100 Moves auch noch zu wenig. Es gibt immer etwas, was man noch nicht kann. Habe aber so viel Spaß wie möglich, mit dem, was du schon tanzen kannst!
Ach ja, das sind noch ein paar Kleinigkeiten, die unsere Wenigkeit alleine nicht kontrollieren kann: globale Erwärmung, Wetter und ähnliche Sachen. 😉 Also konzentrieren wir uns doch lieber auf die, die wir kontrollieren können, oder? 😉
Da können wir persönlich etwas daran ändern. Durch Handlung! Egal in wie kleinen Schritten. Aber stetige minimale Verbesserung ist doch vieeeel besser als Stagnieren oder gar schlechter werden, habe ich Recht? 😉
In meinen Augen wäre es aber noch wichtiger, sich in den Momenten der Frustration genau sich jenen Bereichen zu widmen, in denen wir glänzen und die uns Spaß machen.
Dadurch bleiben wir motiviert und fühlen uns insgesamt besser und positiver. Daraus schöpfen wir Kraft, um Dinge zu verbessern, die uns eventuell frustrieren.
Es gibt noch eine Möglichkeit über ein Lernplateau in einer Disziplin drüber zu kommen: man fangt mit einer anderen Disziplin an. 😉 Konkret – mit einem anderen Tanzstil. Wir wissen, dass wir am Anfang von etwas Neuem eher eine steile Fortschrittskurve erleben, die mit der Zeit dann abflacht. Aber dieser Erfolg beflügelt uns und motiviert uns noch mehr. Von diesem neuen Schwung profitiert auch sicherlich die Disziplin, in der wir gerade das Gefühl haben, dass wir stagnieren.
Conny und ich sind ein lebendes Beispiel dafür. 🙂 Wir erleben es immer wieder, dass diese Abwechslung zwischen den verschiedenen Tanzstilen immer wieder für einen frischen Wind in unseren Social Dance Skills sorgt. Wir merken auch, dass wir in den Tanzstilen, an denen wir gerade nicht direkt arbeiten, trotzdem irgendwie spürbar besser werden. Wie durch Magie. 🙂
Wäre sicher zumindest eine Überlegung wert. 😉
Wir haben vor kurzem ein Team Building Seminar mit unserem gesamten Tanzschulteam bei einem sehr sympathischen Kerl besucht. Irgendwann kam es zu dem Thema, dass man überall etwas aussetzen könnte. Doch bringt uns das im Leben weiter? Ich sehe die wahre Kunst darin, in jeder Situation etwas Gutes zu finden unabhängig davon, wie sehr sie uns frustriert oder auch belastet.
Er hat dann gemeint: “ Wenn du an einer Person gar nichts mehr Gutes und Attraktives findest, dann sag dir wenigstens: aber seine Schuhbandln sind so klass´“ 😀
Wir alle mussten natürlich lachen. Aber es ist so wahr. Das verändert unsere Ansicht der Welt, der Situation, in der wir uns gerade befinden, und auch der Leute, die uns umgeben. Alles wird viel erträglicher auch dann, wenn man kurz anfängt zu glauben, es ist alles so schlimm.
Die Veränderung unserer Welt beginnt in jedem von uns selbst!
Phuh! Das war ja höchst philosophisch gerade, oder? 🙂
Das kann ich nicht mehr toppen, also werde ich hier und jetzt den Artikel beenden. Einfach so… 🙂
Go out and make the best out of it,
Dance & Make A Difference
