Manche haben schon eine fixe Antwort, bevor sie die folgende Zeilen lesen. Du fragst dich wahrscheinlich, was meine „Expertenmeinung“ dazu ist.
Die Antwort dazu lautet: Conny und ich wären tänzerisch nicht annähernd da, wo wir heute sind, ohne die Tanzvideos, die unser Tanzen geprägt haben. Punkt!
Die „nackten Fakten“, Vor- und Nachteile, Vergleiche usw. wirst du weiter unten im Text finden. Versprochen! 😀 Jedoch gib mir bitte vorher ein bisschen Zeit, dir zu diesem Thema auch unsere Geschichte zu erzählen.
Es war 2008. Conny und ich haben schon unsere Tangoreise nach Buenos Aires gebucht und haben uns riesig darauf gefreut. Bis wir realisiert haben, dass wir uns schon, bevor wir dort sind, entscheiden sollten, von wem wir Unterricht nehmen wollen. Ich hatte schon einige Zeit einen gewissen Oscar Casas im YouTube verfolgt, alle seine Videos gesehen und seine interessanten Konzepte aufgesaugt. Natürlich habe ich ihn angeschrieben, und bevor wir uns umgedreht haben, haben wir in BsAs endlose Unterrichtsstunden mit ihm verbracht und enorm viel Wissen von ihm bekommen. Dadurch ich seine Videos schon inhaliert hatte, hatte ich eine gute Vorstellung von seinen Unterrichtskonzepten und konnte ihm gezielte und spezifische Fragen stellen. Vor Ort haben wir auch einige DVDs von ihm gekauft, um ja nichts von seinen Konzepten auszulassen. 🙂 Obendrein hat sich aus dieser Geschichte eine wunderbare Freundschaft entwickelt, und wir haben einige tolle Tage mit ihm in Buenos Aires verbracht.
Fast Forward in das Jahr 2016 – Euro Dance Festival letztes Wochenende (11. – 14. Februar). Ich besuchte einen fantastischen West Coast Swing Workshop von Myles & Tessa Monroe an unserem ersten Tag des Festivals. Die zwei habe ich von vielen WCS-Videos im YouTube gekannt. Sie sind eine Legende im WCS. Der Workshop hat mich so begeistert, dass Conny und ich das in einer Privatstunde weiter vertiefen wollten. Daraus sind gleich zwei geworden, weil wir nicht genug von ihrem Wissen bekamen. Dann erzählten sie uns von ihrem Online Instructor Training. welches wir natürlich auch sofort gebucht haben, obwohl es nicht sehr günstig war. 🙂 Noch im Flieger auf dem Weg zurück habe ich mir schon die ersten Lektionen „gegeben“, weil ich wie ein Schwamm alles aufsaugen wollte.
Und das sind nur zwei Geschichten aus Duzenden ähnlichen Geschichten aus unserem Tanzleben.
Das heißt nicht, dass wir unser gesamtes Wissen von Videos oder anderen Lehrern haben. Nein, auch wenn wir viele Meinungen gehört und einige Wege gegangen sind, haben wir immer wieder unsere eigen Tanzphilosophie gefunden.
Vieles aus Videos oder andere Ansichten haben wir ausprobiert und dann verworfen, einiges für uns abgeändert und immer wieder auch das eine oder andere übernommen. Jedes Mal hat es uns aber ein Stückchen weiter dorthin geführt, wo wir jetzt sind. Immer wieder wurden wir angeregt, Vieles zu überdenken und Neues für möglich zu halten. Aber wir wurden auch oft in unseren Ansichten bestärkt und konnten so mit Bestätigung weiter den Weg beschreiten.
Viele werden mir folgen können, wenn ich sage, dass Social Dance mein Leben bewegt, inspiriert, erfüllt. Das geht bei mir so weit, dass ich dauernd und noch öfter irgendwelche Moves, Drehungen und Figuren im Kopf tanze und mir vorstelle, wie das auf der Tanzfläche funktionieren könnte. Geht´s dir auch manchmal so? Also, bei mir ist das ein Dauerzustand. Und ich liebe es! Es macht mich lebendig. Ja, noch mehr als sonst, haha!
Dieser besagte Zustand wird durch die vielen Videos „gefüttert“, die ich dauernd online konsumiere. Da sind Shows dabei, Unterrichtsvideos, Videos vom freien Social Dancing, alles Mögliche und Unmögliche!
Also noch einmal eine klare Antwort zum Titel des Beitrags: Ja, man kann Tanzen vom Video lernen…
…ABER….
Wenn du dir noch einmal die zwei Geschichten von oben anschaust, wirst du herauslesen, dass wir ihre Videos als Unterstützung genommen haben, um möglichst viel von ihrer Ansichten, Philosophien und schlussendlich natürlich Tanzmoves mitnehmen zu können. Wir haben jede Möglichkeit ausgenutzt, die wir konnten, Live Unterricht von unseren „Lieblingen“ zu bekommen.
Wir sind sogar für eine Woche nach Moskau geflogen, um dort mit Sebastian Arce, einem der renommiertesten Tangoinstruktoren der Welt, Privatunterricht zu nehmen. Vorher habe ich aber ein Jahr lang aus seinen Videolektionen (www.TangoMeet.com) gelernt.
Wenn man auch noch die dazugehörige Übungszeit hinzufügt, ergibt das Ganze eine Killer-Formel, um möglichst schnelle Fortschritte im Social Dance zu machen.
Wir hatten damals in unseren Anfängen keine andere Wahl, als von Videos zu lernen. Wir hatten kaum Instruktoren im Umkreis von 300 km, von denen wir lernen wollten und auch keine finanziellen Mittel, so oft und weit zu reisen, um zu den guten Instruktoren zu kommen. Die Festivals waren damals auch sehr dünn gesät. Es gab die Option, von Videos zu lernen und daraus das Beste zu machen oder eben nicht zu lernen. Damit war es eigentlich nur eine Option, da das letztere gar keine ist, oder? 😉
Es gibt sicher noch mehr Vor- und Nachteile, aber das wären mal die wichtigsten aus meiner Sicht. Fühle dich bitte frei, deine Vor- und Nachteile in den Kommentaren aufzuzählen, die ich hier nicht erwähnt habe. Es ist für mich sehr interessant zu hören, wie unsere TänzerInnen das Ganze befinden.
Das ist ein grober Überblick von dem momentanen Angebot in diesem Bereich.
Ich persönlich bin ein großer Fan der Online Plattformen geworden. Ich bin ein aktives Mitglied auf einigen Seiten, wo ich mir das Wissen und Informationen hole, die ich in den gegebenen Situationen brauche. Und nicht nur im Tanzbereich – Foto, Video, Software, Grafik, Marketing, Persönlichkeitsbildung, Sportaktivitäten usw. – das sind alles Bereiche, wo ich mich dauernd über Online Plattformen weiterbilde. (anders wäre es bei unserer Lebensweise ja kaum möglich, an Fortbildungen zu kommen. 😉 )
Die Begeisterung ist sogar so weit gegangen, dass wir eine eigene Online Plattform für den Tanzunterricht kreiert haben! Juhuuuu!!!
Und heute (Sonntag 21. Februar) ist ein sehr aufregender Tag für uns.
Das ist eben eine Membership Site, auf der wir unser gesamtes Bachatangokonzept präsentieren werden – die Struktur, die Figuren, die Herangehensweise und vor allem die Strategie!
Das letzte ist für uns besonders wichtig – die Strategie! Was bedeutet das?
Das bedeutet, dass wir nicht nur Moves und Figuren vermitteln wollen, sondern vor allem die Tools und unsere Denkweise und Motivation, warum wir beim Tanzen dies oder das tun.
Wir sind der Meinung, dass diese Art und Weise des Unterrichts sinnvoller, bedeutungsvoller und langanhaltender ist. Es ist für uns ein Experiment, keine Frage. Wir lernen noch viel darüber.
Vor allem ist unser Ziel, die oben genannten Vorteile immer weiter auszubauen und die Nachteile zu vermeiden. 😉 Eh klar, oder?
Aber wir sind schon seit den Anfängen der Produktion begeistert gewesen, welche Möglichkeiten der Kommunikation und des Austausches diese Plattform uns bietet. Es bietet uns noch einen tollen direkten Weg, unsere Leidenschaft und Begeisterung mit vielen wunderbaren TänzerInnen zu teilen, die nicht in unserer unmittelbaren Nähe leben. Und für die, die bei uns in der Tanzschule sind ist es auch eine zusätzliche Möglichkeit, ihr Tanzwissen zu vertiefen. Für jeden ist etwas dabei.
So, damit ist auch dieser Teil erledigt. Ich will aus dem Artikel keine Marktschrei-Aktion machen. Verzeih mir, bitte! Wir sind einfach so aufgeregt wegen dieses gesamten Projektes, da wir dabei noch so viel Neues lernen. Über das Tanzen selbst, die neuartigen Unterrichtsformen, über unsere TänzerInnen und ihre Bedürfnisse und nicht zuletzt über uns selbst. 😀
Es bleibt spannend! 😀
Dance & Make A Difference
